Nikolaus Habjan

Die Puppen des Nikolaus Habjan
Ausstellungseröffnung: Donnerstag  08.02.2018 | 18:30 Uhr
Dauer bis 24.02.2018

"Schlag sie tot", 2008
"Herr Karl", 2009
"Zawrel-erbbiologisch und sozial minderwertig", 2011
"Schatten, Eurydike sagt", 2013
"Faust, der Tragödie erster Teil", 2015


„Schlag sie tot“ (2008)

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Schlag sie tot war die erste Inszenierung von Nikolaus Habjan im Schubert Theater in Wien. Das Stück widmet sich in überzeichneter Manier den Problemen der Bewohner des Seniorenheims „Immergrün“, deren Erinnerungen und ihrer Einsamkeit.
Es ist keine Tragödie. Die sehr spannende Handlung, groteske Klappmaulpuppen, bitterböse, erschreckend aktuelle Texte unterlegt mit ins Ohr gehenden Melodien von Georg Kreisler, sind Bestandteile eines Musicals, das in Deutschland, Österreich und der Schweiz in bereits über 100 Vorstellungen das Publikum begeisterte. Die  Klappmaulpuppen bestehen aus Schaumgummi, Latex, Nylongewebe, Puppenwatte, Glassteinen für die Augen, Perücken und verschiedenen Kleidungsstücken. Vorbilder findet Nikolaus Habjan speziell in der Wiener U-Bahn, in Cafes, Restaurants und auf Reisen. Er hat immer ein kleines Notizbuch für eine schnelle Skizze mit dabei. Jede Puppenkreation hat auch ihre Geschichte und auch einen, meistens sehr ausgeprägten Charakter. 
Herr Berni ist der Star unter den Klappmaulpuppen. Er entstand 2007 nach Originalen in der Wiener U-Bahn. Sollte eigentlich eine Frau werden. Er ist faschistoid, hasst Ausländer und alles, was grün ist. Er spielt auch in „Der Herr Karl“ mit und ist trotz seines sehr problematischen Charakters ein Publikumsliebling. Seine Lieblingsfarbe ist natürlich „braun“. 

Herr Diletti charakterisiert durch eine besonders dicke Brille ,entstammt einer reichen Familie, kam aber auf Grund seines geistigen Zustands bald ins Altersheim, wo er mit Hingabe Sudoku-Rätsel löst und die Schwester Silvie begrapscht.

Schwester Silvie ist eine berechnende Person, die mit Dr. Oberwetz-Schnittke ein Verhältnis hat, und die Heiminsassen beerben will. Dazu ist ihr jedes Mittel recht.

Dr.Oberwetz–Schnittke hat wahrscheinlich eine dunkle Vergangenheit als NS-Arzt, sein Charakter und seine Behandlungsmethoden weisen irgendwie darauf hin.

Frau Bunzel, eine extrem dicke Frau, in ihrer Jugend eine berühmte Ringerin war, die aber nicht mehr spricht, nur mehr auf einem Sofa vor sich hindöst und sich nur durch Essen aus ihrer Lethargie befreien kann.

Frau Gisela, einst gefeierte Wagnersängerin, nun eine alternde Diva. Ihre schönste Erinnerung, dass ihr der Führer 1933 bei den Bayreuther Festspielen die Hand geküsst hatte. Sie verliebt sich Hals über Kopf in Herrn Berni. 

 


F. Zawrel erbbiologisch und sozial minderwertig (2011)

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Diese Produktion erzählt die wahre Geschichte des Friedrich Zawrel, der die Euthanasie-Verbrechen des NS-Regimes in Wien während des Zweiten Weltkriegs er- und überlebte. Nikolaus Habjan hat in langen und intensiven Gesprächen mit Zawrel dessen Lebensgeschichte erfragt und daraus ein packendes und berührendes Figurentheater geschaffen. Friedrich Zawrel wurde 1929 als lediges Kind geboren. Die Mutter konnte die Familie nicht allein durchbringen. Der Vater war Alkoholiker. Die gesamte Familie galt deshalb während des Nationalsozialismus als förderungsunwürdig. Soziale Ächtung, Delogierung, Heimaufenthalte, Pflegeeltern, Fluchtversuche und schließlich Kinderfachabteilung am Spiegelgrund. Am Spiegelgrund, einer als „Heilanstalt“ getarnten Kindereuthanasieeinrichtung am Wiener Steinhof, wird er von Doktor Heinrich Gross als „erbbiologisch und sozial minderwertig“ eingestuft: Das Todesurteil für Zawrel. Er kann durch die Hilfe einer Krankenschwester gerade noch fliehen. Nach dem Krieg verwehrte ihm die Republik Österreich auf Grund einer Strafe im Dritten Reich die berufliche Ausbildung. Er rutschte ins „Milieu“ in die Kleinkriminalität. Ende der 70er Jahre traf Friedrich Zawrel erneut auf seinen Peiniger, den ehemaligen Anstaltsarzt Dr. Heinrich Gross, inzwischen einer der renommiertesten Gerichtsgutachter Österreichs. Er stufte ihn – wie schon im .Spiegelgrund. – erneut als „erbbiologisch und sozial minderwertig“ ein und brachte ihn für viele Jahre ins Gefängnis. Dr. Werner Vogt, ein engagierter Vertreter der „Kritischen Medizin“ betrieb die Rehabilitation von Zawrel und versuchte die Verbrechen des Dr. Gross vor Gericht zu bringen. Erst im Jahr 2000 kommt es zu einem Gerichtsverfahren gegen Dr. Gross. Aufgrund einer angeblichen Demenz wird das Verfahren aber eingestellt. 2012 wurde die Inszenierung mit dem Nestroy–Preis, dem wichtigsten Theaterpreis Österreichs, in der Kategorie .Beste Off–Produktion ausgezeichnet. 2014 mit dem Schweizer Figurentheaterpreis „Grünschnabel“ und 2016 mit dem „Wolfgang-Swoboda-Preis für Menschlichkeit im Strafverfahren“. Nikolaus Habjan hat das Stück weit über 200 Mal im In- und Ausland gespielt, sehr oft im Akademietheater in Wien und im Schauspielhaus Graz (demnächst am 10. und 15. Februar 2018) 

Die Puppe „Herr Zawrel“ trägt das Lieblingshemd und die Brille von Herrn Friedrich Zawrel (beides vermachte er testamentarisch der Puppe). Sie ist die wichtigste und von Nikolaus Habjan am meisten geschätzte Puppe, da ihn mit diesem Mann eine tiefe Freundschaft verband. „Mein Leben ist durch diesen starken, kleinen sanften und weisen Mann um so viel besser geworden. Ich habe nicht genug Worte, um zu beschreiben wie sehr. Aber allein seine Sicht auf die Dinge, sein Fokus auf die kleinen und großen guten Dinge im Leben.“  Friedrich Zawrel als Kind ist eine genähte Puppe, gefüllt mit Puppenwatte und mit Nadel und Faden modelliert, mit Haaren aus Wolle und gemalten aufgenähten Augen. Das 2.Kind ist ebenfalls eine genähte Puppe. Der junge Dr. Gross ist nur ein Kopf, der aus Schaumgummi, Latex. Typisch sind die stechenden blauen Augen (Glassteine) und die Frisur mit dem akkurat gezogenen Scheitel. Der alte Dr. Gross besteht aus Latex, Watte, Schaumgummi , Glasaugen. Bezeichnend für ihn sind die wirren Haare und die Spinnenfinger.
 


Elfriede Jelinek
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Die Puppe der Elfriede Jelinek wurde für die österreichischen Erstaufführung von „Schatten (Eurydike sagt)“ im Akademietheater Wien am 17.01.2013 (Regie: Matthias Hartmann) gebaut.

Jelinek wird zur grell geschminkten, dick bebrillten, faltigen Puppe mit der bekannten Frisur (Knödel oben, langes, verzopftes Haar), die, von Puppenspieler Nikolaus Habjan geführt, mit einem Manuskript in der Hand meist an der Rampe mitverfolgt, wie sich die Geschichte der armen, von der Schlange zu Tode gebissenen Eurydike in der Unterwelt entwickelt. Die Puppe kann zufrieden sein. Der dichte Text wurde am Donnerstag in einem reichhaltigen, 90-minütigen, atemlosen Spektakel aufgelöst, das Publikum klatschte herzhaft, besonders auch, als sich Habjan verneigte. (www.burgtheater.at)

2013 bekam Elfriede Jelinek für dieses Stück den Nestroy-Preis. Die vom Band kommende Dankesrede gesprochen von Elfriede Jelinek selbst, verkörperte Nikolaus Habjan mit dieser Puppe. Auch 2017 nahm die „Puppe“ den „Faust“, den deutschen Theaterpreis entgegen, die Rede von Elfriede Jelinek kam vom Band.
 


Der Herr Karl (2009) 

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Ein Monolog von Carl Merz und Helmut Qualtinger (UA1961)
Drei Puppen verkörpern die Figur des Herrn Karl
Gast, ein alter Opportunist, der im Laufe des Abends immer betrunkener wird, gläserweise Wermut verschüttet und über die gute alte Zeit räsoniert. Bardame, eine dem Alkohol verfallene und leichtsinnige Person, die ihren Lieben nachweint und aus ihrer bewegten Vergangenheit erzählt. Kellner, der in direkter, nicht diskreter Art und Weise von seinen verflossenen Frauen erzählt. „Man wird über den Herrn Karl lachen und weinen, man wird ihn verdammen und bemitleiden, man wird ihn zitieren, man wird ihm – als höchste Bestätigung seiner Gültigkeit – auf Schritt und Tritt begegnen. Sein scheinbar zufälliges Gerede enthält in konzentrierter Form die Substanz eines Zeitromans oder eines Zeitstücks, ist zugleich Zeugnis einer Epoche, Enthüllung einer Haltung und Ergebnis souveräner literarischer Gestaltung, mit einem Wort: ein Stück Welt.“ (Hans Weigel)

2010 wurde dieses Figurentheaterstück mit dem Publikumspreis „bestOFFstyria 2.10“ ausgezeichnet. Seit 2015 spielt Nikolaus Habjan „DER HERR KARL“ jedes Jahr am 1. Jänner auf der Bühne des Burgtheaters.


Faust. Der Tragödie erster Teil

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Raus aus dem Reclam, rauf auf die Bühne: Ausnahmetalent Nikolaus Habjan, dessen Auftritte als Schauspieler und Kunstpfeifer und dessen Inszenierungen international für große Begeisterung sorgen, inszeniert Goethes „Faust“, diesen ebenso geliebten wie gefürchteten Klassiker, als witziges, packendes und entlarvendes Bühnenerlebnis für Jugendliche und Erwachsene im Grazer Next Liberty, die vielleicht bisher noch nicht viel mit diesem großen Stoff anfangen durften bzw. konnten.