Das Kopftuch

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Foto: © Gebhart Blazek

Gebhart Blazek dokumentiert und erforscht marokkanische Teppiche und Textilien und deren alltägliche Verwendung. Zuletzt die in Orange gehaltenen floralen Stickereien auf den üblicherweise schwarzen Kopf- und Schultertüchern, die von den Frauen des Beni Hlal Stammes getragen werden, erwecken in diesem Kontext besonderes Interesse. In früherer Zeit wurden die traditionell einfärbigen Tücher in den Gebieten südlich des Antiatlas schlicht gehalten und mit Indigo koloriert. Die Bestickung war vor allem in ländlichen Gebieten unüblich und wurde nur in einigen Regionen als jüdisches Handwerk praktiziert. Im Anschluss an die Abwanderung des Jüdischen Volkes aufgrund der Staatsgründung Israels in den 1950ern wurde die Stickerei von lokalen Schneidern und Schneiderinnen übernommen. Diese entwickelten bestimmte regionale Stile der Maschinen- sowie der Handstickerei. Während die im Drâa-Tal lebenden Berberfrauen die Tradition der schmucklosen, einfärbigen Tücher beibehielten, weisen Textilien aus der Tafilalet-Region abstrahierte florale sowie zoomorphe Motive auf. Was als eine Art Mode begann wurde in den folgenden Jahrzehnten zu einem lokalen kulturellen Ausdruck. In den meisten Regionen wird die Stickerei mit einer ziemlich breiten Farbskala durchgeführt, ohne dass eine dominiert, aber in den Beni Hlal Dörfern in der Nähe von Foum Zguid wird die Handarbeit hauptsächlich in satten Orangetönen durchgeführt, verstärkt durch einige leuchtende Gelb-, Rot-, Blau- und Weißtöne. Gängige Elemente wie kleine Kreise und Spiralen, herzförmige Blätter, Blumen und Palmblätter werden verwendet, um lebendige Kompositionen mit einem unverwechselbaren persönlichen Charakter zu schaffen.

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Fotos: © Georg Gressenbauer + Birgit Voss