Stefanie Holler

Part of the Game 2020 reloaded
Stefanie Holler | REVERSED REALITIES 

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Nicht nur in Zeiten von „social distancing“ ist eine zunehmende Verschiebung des menschlichen Lebens und Bewusstseins in die digitale Welt zu beobachten. Die digitale Welt hat sich jedenfalls längst in das reale Leben des Menschen integriert. Als anfängliche Hilfestellung im Alltag lässt sie auf Dauer grundsätzliche Werte der modernen Gesellschaft wie Willensfreiheit, Datenfreiheit und Autonomie zugunsten einer Bequemlichkeit zunehmend in Frage stellen und führt womöglich unbemerkt zu einer kollektiven, praktischen und emotionalen Abhängigkeit, die auch Gefahr läuft politischer Willkür weniger kritisch gegenüber zu stehen.  

Die dargestellten Personen in den Arbeiten präsentieren sich abgewandt gegenüber dem Betrachter in der realen Welt, sind begrenzt, einzeln und allein in einem imaginärem/metaphorischen Raum, in dem Fall dem Bildrand. 

Dem gegenüber werden Pixel, die ja eigentlich zur Darstellung digitaler Bilder dienen, als eigenständige Form begriffen. Sie stehen für sich selbst, als metaphorische und materialisierte Darstellungen der Allgegenwärtigkeit digitaler Präsenz, die zugleich abstrakt wie gegenständlich ist.Die Schnittstelle dieser beiden Realitäten bildet in den Arbeiten die Kohlezeichnung, wobei die bei näherer Betrachtung sichtbare, physische Materialität der Kohle mit der verbildlichten, fotorealistischen Illusion die Diskrepanz dieser beiden Welten auf den Punkt bringt. „Revearsed Realities“ befasst sich mit dem Wechselspiel des Begriffs der Existenz in der realen und virtuellen Welt und stellt auch die Frage, wie sich die Wahrnehmung und der Umgang mit Menschen und neuen Medien im Laufe der Zeit verändert. Führt die Möglichkeit zum umfassenden digitalen Austausch, zur globalen Vernetzung und zur Zuhilfenahme künstlicher Intelligenz zu einem selbstbestimmteren und erfüllteren Leben oder eher zu Gleichgültigkeit, Konsumismus und Einsamkeit?

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